Handchirurgie
Ein bedeutender Bereich der Plastischen Chirurgie ist die Handchirurgie. Die grundsätzlichen Methoden der Plastischen Chirurgie finden an der Hand besonders komplex und differenziert ihre Anwendung. Meist müssen viele Methoden miteinander kombiniert eingesetzt werden, um den auf engstem Raum zusammenliegenden unterschiedlichen Strukturen gerecht zu werden. Auch hier war die Mikrochirurgie Motor für große Fortschritte. Die Replantation abgetrennter Finger oder ganzer Gliedmaßenteile sind bekannte Beispiele. Weitere Fortschritte wurden durch Muskelverpflanzung zur Wiederherstellung der Bewegung gelähmter Extremitäten erzielt. Kombiniert mit Operationen an den Nerven lassen sich gelegentlich sogar völlig funktionslose Arme wieder für Hilfsfunktionen verfügbar machen.
Die Hand - ein multifunktionales Körperteil
Die Hand stellt flächenmäßig zwar nur einen relativ
kleinen Teil unseres Körpers dar; sie birgt jedoch eine Vielzahl
hochentwickelter Funktionen, die dem Menschen unvergleichliche handwerkliche,
gestalterische, künstlerische und emotionale Möglichkeiten
"an die Hand" gibt. Diese Funktionalität wird durch ein
hervorragendes Zusammenspiel der anatomischen Strukturen wie Knochen
und Gelenken, Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäßen
unterstützt. Diese Zusammensetzung macht die Hand zu einem äußerst
komplizierten Organ. Die Hände agieren zumeist ungeschützt.
Ähnlich wie das Gesicht sind sie nur in wenigen Ausnahmesituationen
bekleidet, z.B. wenn wir im Winter Handschuhe tragen.
Von Bedeutung ist außerdem die Lokalisation der Hände am
Ende der Arme, wodurch besondere Mobilität, Distanz vom übrigen
Körper und frühzeitiges Erkennen und Abwehren bestimmter Gefahren
ermöglicht wird. Gleichzeitig ist die Hand aber auch stark exponiert
und besonders verletzlich.
Die Handchirurgie als Spezialfach
Das Vorhandensein so vieler unterschiedlicher, aber für die Gebrauchsfähigkeit
der Hand gleichwertiger anatomischer Strukturen setzt für eine
erfolgreiche Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen umfangreiche
Kenntnisse des Arztes voraus.
Er mussin der Lage sein, Veränderungen des Knochens, der kleinen
Muskeln, der Sehnen, Nerven und Gefäße durch eine entsprechend
breit gefächerte Ausbildung gleichermaßen gut behandeln zu
können. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich
die Handchirurgie aus der Allgemeinchirurgie, Plastischen Chirurgie
und Orthopädie heraus durch Subspezialisierung zu einem Spezialfach,
welches mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Zusammenhang mit den
genannten chirurgischen Gebieten betrieben wird.
Die Rolle der plastischen Chirurgie
Die Verbindung zwischen der Plastischen Chirurgie und der Handchirurgie ist maßgeblich in der Operationstechnik, d.h. dem gewebeschonenden Vorgehen, der sogenannten atraumatischen Operationstechnik zu sehen. Dieser Gesichtspunkt spielt wegen der dicht beinanderliegenden Feinstrukturen, wie Sehnen, Nerven und Blutgefäßen eine wesentlich stärkere Rolle als im Bereich anderer Körperregionen. Die Plastische Chirurgie spielt im Bereich der Hand eine wichtige Rolle bezüglich der Planung korrekter Hautschnitte sowie den vielfachen Möglichkeiten des Gewebeersatzes, z.B. durch Hautlappenbildung oder Transplantation.
Der Einsatz mikrochirurgischer Techniken, wie sie ebenfalls in der
Plastischen Chirurgie verwendet werden, ermöglicht die Rekonstruktion
von feinsten Nerven und Gefäßen, die Replantationen mit Wiederannähen
abgetrennter Finger sowie den Fingerersatz durch Zehentransfer.
Das Aufgabengebiet der Handchirurgie erstreckt sich im Weichteilbereich
auf den gesamten Arm, da hier die Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäße
verlaufen, welche zur Hand führen.
